Samstag, 12. Juli 2008

NACHTRAG vom 27.6. 08: Viele Gruesse aus Lattakıa!

Eine Woche nun sind wir (Hanna und ich) schon aus der NEST ausgeflogen und in Syrien unterwegs. Heute vor einer Woche fuhren wir von Beirut nach Lattakia und fuhren von da aus weiter nach Kessab. Dort trafen wir Simon und Jadwiga (2 weitere deutsche NESTis dieses Jahres) die mit uns das Wochenende in Kessab verbrachten, uns aber leider dann schon am Montag verließen um die Türkei genauer zu erkunden. Um Kessab herum lässt es sich wunderbar wandern und direkt neben der Grenze zur Türkei im Mittelmeer baden.
Da Kessab wie eine syrische Halbinsel von der Türkei umgeben wird, muss man immer aufpassen, nicht aus Versehen illegal die Grenze zu überschreiten. Interessanterweise ist die türkische Hälfte vom Strand ein wunderschöner Sandstrand frei von jeglichem Müll und einsam und die syrische Hälfte dagegen steinig, voll mit Müll (gut dass es hier keine Ebbe und Flut gibt…) und bevölkert und dennoch ein wunderschönes Stück Erde. An diesem Punkt ist man aber doch sehr verrührt illegal schon einmal seinen Fuß auf türkisches Land zu setzen…
Wenn man so direkt an der Grenze zu der Türkei ist, wo die Landschaft an sich gleich ist, stechen einem sofort grundlegende Unterschiede ins Auge: Im Gegensatz zu Syrien scheint es in der Türkei nicht erlaubt zu sein, Häuser hinzubauen wo man will und somit die Landschaft zu verschandeln, sondern es scheint so was wie Ortschaftsbauplanung und Gesetze zu geben und es scheint auch nicht erlaubt zu sein zu bauen wie man will. Kessab hat sich in den letzten Jahren von einem netten Dorf mit alten Steinhäuschen mit maximal 2 Stockwerken zu einem ausweitendem Gebiet von Betonbauten oder gar Hochhäusern entwickeln ohne jegliche Rücksicht auf die Natur oder das dörfliche oder landschaftliche Erscheinungsbild. Da kann man nur „Haram“ (vergleichbar mit „Oh nein“ oder „was für eine Schande“) sagen… In der Türkei sind Ortschaften klar erkennbar: Man erkennt genau wo ein Dorf aufhört und wo das nächste anfängt, zwischendrin liegen entweder Wald oder ordentlich angelegte Ackerflächen.

Seit Mittwoch sind wir jetzt in Lattakia. Gestern haben wir genau in der Mittagshitze Ugarit, die Burg Salah ad-Din (Saladin) und Slunfeh erkundet. Ugarit ist eine Stadt, die sich bis ins 3. Jahrtausend VOR Chr. (!) zurückdatiert und wo auch die älteste Alphabetschrift gefunden wurde (so um die 1400 Jahre alt (Angabe ohne Gewähr)).
Die Burg Salah as-Din liegt wunderschön auf einem der bewaldeten Berge ein wenig gen Landesinnere Syriens wovon man eine sehr schöne Aussicht hat. Die Burg wie sie heute zu sehen ist wurde von den Kreuzrittern gegen Ende des 12. Jahrhunderts fertig gestellt.
Nach der Burg wo uns in der Mittagshitze der Schweiß nur so davon gelaufen ist, fuhren wir weiter nach Slunfeh. Von dem Bergrücken oberhalb von Slunfeh genossen wir die atemberaubende Aussicht auf das Orontes Tal, wozu die Bekaa Ebene im Libanon die Fortsetzung des „fruchtbaren Halbmondes“ (wie der ebene fruchtbare Landstrich genannt wird der sich bis nach Israel/Palästina erstreckt) darstellt. Krass, krass, krass kann man da nur sagen…

Sobald man vom Libanon die Grenze zu Syrien überschreitet, ist man wirklich in einem anderen Land. Durch das ganze Jahr hinweg haben wir immer mehr festgestellt, wie unterschiedlich die arabischen Länder sind und dass man da keinesfalls von DEM Mittleren Ostern oder von DEN Arabischen Ländern reden kann. Der Libanon ist sehr eigen unter „den“ arabischen Ländern, was sich aber nicht erst dieses Jahrhundert so entwickelt hat, sondern tief in der Geschichte verwurzelt ist. Syrien ist um sehr viel mehr orientalische rund ursprünglicher als der Libanon und scheint sich auch seiner eigenen -und wie es scheint:- einen Identität bewusst zu sein. Im Libanon hat man mehr den Eindruck, dass viel an „Westen“ einfach gewollt aufgesetzt ist, es viel zu viele Gruppen und Spaltungen gibt, die je ihre eigenen Identität hoch halten und aber dennoch je ganz bewusst „Libanesen“ sind und sein wollen.

So, dann entlasse ich euch mal wieder aus der Gedankenreise in den Nahen Osten und grüße euch ganz dolle aus Lattakia!
„Maa salame“
Uli

Keine Kommentare: