Donnerstag, 31. Januar 2008

Puuuh....

Das erste Semester an der NEST ist zu Ende; alle Papers und Examen geschrieben, alles unter Dach und Fach. Leider können dieses Stadium noch nicht alle hier an der NEST genießen, sondern büffeln jetzt noch fleißig in der Bücherei oder auf ihren Zimmern. Haram!(Ausdruck wenn einem etwas leid tut oder wenn etwas sündig oder nicht gut ist. Hat allerdings recht viele Bedeutungen.)
Ich bin immer wieder verblüfft, wie sehr mir hier die Leute schon ans Herz gewachsen sind und die NEST ein wirkliches Nest für mich ist. Natürlich denke ich aber auch gerne an meine Familie und Freunde in der Heimat und in aller Welt und bin sooo dankbar für sie / für Euch alle! Geographisch gesehen hat sich mein Freundeskreis ab dem heutigen Tag bis nach Chicago ausgeweitet, denn my beloved Emily ist heute morgen um 6 Uhr Richtung Heimat aufgebrochen. Auch hier: Haram! Zum krönenden Abschluss hat uns Emily ins T'amarbuta (ein Cafe/Bar) eingeladen... Da haben wir dann auch in "einen" Geburtstag mehr oder weniger reingefeiert. Bei dem Gedanken an "den" Geburtstag und gleichzeitig an Emilys Abschied war mir eigentlich gar nicht so zum Feiern zumute, aber es hat sich dann doch alles in ein freudiges Ereignis verwandelt-trotz Abschiedsschmerz, aber Dank all der lieben Leute!

So, ich hoffe, es gibt in Kürze hier auch vollends meinen Reisebericht von Jordan und Damaskus... In der Nacht zum Samstag kommt auch mein Bruderherz an um mich für eine Woche hier zu besuchen :-)
Liebe Grüße,
Uli

Samstag, 19. Januar 2008

Blutiger Zwischenbericht...

aber keine Sorge, es ist alles in Ordnung. Heute ist "Aschura"!
Heute haben wir praktische Studien unternommen, was immer sehr eindrücklich und lehrreich ist.
"Aschura" heißt "der 10. Tag" und zwar gedenken die Shiiten unter anderem durch diese blutige Aktion Hussein, aber auch Ali, die beide ermordet worden sind. Hussein ist der zweite Sohn von Ali und war nach einer Spaltung Kaliph und Ali ist der Cousin und auch Schwiegersohn von Muhammad. Beide sind wichtige Figuren für die Shiiten, wobei Ali für die Shiiten der erste und wichtigste Kaliph ist.
An diesem 10. Tag gehen vor allem "männliche Shiiten" in einem Zug durch die Straßen mit einem Schnitt auf dem Kopf auf den sie sich schlagen um zu bluten. Dabei wird laut "Haidar" (ein Name Alis) gerufen und auch andere Dinge.



Auf Tranparenten, die über die Straße gespannt waren, konnte man z.B. lesen: " Allianz für den Meister der Martyrer: Hussein, der Sohn Alis.”
Oder auch ähnliches. Eines war auch in die Richtung: "Wir gedenken Ali und setzen uns der Unterdrückung zur Wehr".
Es wird allgemein den Märtyrern bei diesem "Festival" gedenkt und es ist die ganze Familie auf der Straße auch wenn sich "nur" die männlichen blutig schlagen. Es war für mich recht schockierend zu sehen, dass selbst Kinder dazu angeleitet werden sich blutig zu schlagen. Wie man auch auf diesem Bild sehen kann, schlägt der Väter seinen Sohn blutig (durch den Schnitt, nicht durch die Schläge), sich selbst aber nicht.



Das war übrigens sehr oft der Fall, die Kinder sollten sich blutig schlagen und die Männer haben sie nur dazu angefeuert, haben es bei sich selbst aber nicht gemacht. Man kann auch sagen, dass es insgesagt vor allem junge Männer waren. Viele Leute waren allerdings auch nur so auf diesem "Festival". Auf einem Sportplatz wurde ab 11 Uhr dann die Geschichte Husseins, seinen Nachfolgern und seiner Familie nachgespielt.

Inzwischen sind wir wieder zurück an NEST, allerdings bisher ohne Emilys Kamera :-( - ein Gebetsanliegen, und die Hausarbeiten warten auch schon weiterbearbeitet zu werden…

Bis bald,
Uli

Samstag, 12. Januar 2008

mehr...

... über unser Rumreisen in Syrien und Jordan!
1. Reiseetappe: "Aleppo&Friends"
Wie im Rundbrief vor Weihnachten schon erwähnt, sind wir (Emily, Lilit, Elias und ich) am Freitag, dem 21. Dezember 2007, nach Aleppo (Syrien) aufgebrochen, wo wir vor allem unsere NEST-Freunde getroffen und besucht, aber natürlich auch Aleppo und ein bisschen Umgebung angeschaut haben. In Aleppo kamen wir in einer Gästewohnung der Church of Christ unter, da wir den Pfarrer der Gemeinde bzw. des Gemeindezentrums an der NEST kennengelernt haben. Auf der ganzen Reise waren wir von der arabischen Hilfsbereitschaft und außerordentlichen Gastfreundschaft überwältigt, beschützt und getragen! Die ersten Erfahrungen dessen machten wir in Aleppo...
Hier ein paar Bilder unserer 1. Reiseetappe: "Aleppo & Friends":

auf den Dächer Aleppos...

- sieht man viele Satellitenschüsseln!

Im Souq


Uli als Simon der Säulenasket aus dem 5. Jhd. - oder eher Münchhausen?!

Nicht weit von Aleppo entfernt befindet sich die ehemalige Klosteranlage. Das Kloster wurde aufgrund von Simon, dem Säulenasket, dort gegründet. Ich fand es sehr interessant, dass auch viele Muslime diesen urchristlichen, aber natürlich auch historischen Ort besuchen. Im Sommer sei es auch ein beliebter Picknickort.

"in the middle of nowhere..." ein Weg?!


Mit unseren Armenischen Freunden haben wir die Armenisch-Orthodoxe 40 Martyrer-Gedenkkirche in Aleppo besucht.

Vor allem aufgrund des Genozid 1915 durch die Türken leben viele Armenier in der ganzenWelt verteilt. Auch nach Aleppo hat es sie verschlagen, wie in viele andere Städte im Mittleren Osten. So traurig und tragisch der Grund ist, hat es für uns auch einen praktischen Punkt, denn immer wenn wir nach dem Weg suchten, haben wir einfach Ausschau nach armenischen Ladenschildern gehalten, wo Lilit (Armenierin aus Armenien) dann nachfragen konnte.

Ahlan wa sahlan!: Am ersten 1. Weihnachtsfeiertag waren wir bei Elias' Family eingeladen :-)

Von links nach rechts:
Elias' Bruder Hani, Emily, Uli, Elias' Schwester Ranim, Mama Jabbour, Papa Jabbour und Elias.

Nächstes Mal geht’s dann weiter nach Jordanien…
Liebe Grüße,
Uli

Freitag, 4. Januar 2008

Tag 14: Zurueck in Beirut

Hejho allerseits! (diese von Ulrike Spring eingefuehrte Begruessungsformel "Hejho!" ist an der NEST inzwischen beruehmt beruechtigt und wird oft verwendet) ;-)
Es gibt gute Neuigkeiten: Wir (Emily und ich) sind wohlbehalten von unseren Reisen in Syrien und Jordanien an die NEST zurueckgekehrt!
Nachdem unser Bus von Damaskus den Geist aufgab, fuhren wir, nach ein bisschen hin und her im Regen, die verbleibenden Kilometer mit einem Minibus. Neben mir sass ein Mann aus der Beka-Ebene und ueber die ganze Fahrt versuchten wir uns auf Arabisch-Englisch zu unterhalten. Nach 2 Wochen in Syrien und Jordanien (wo man auf das Arabisch angewiesen ist) und mit Hilfe meines anderen Nebensitzers hat das auch gar nicht mal so schlecht funktioniert.
Ich bin sehr dankbar fuer die zwei Wochen Urlaub. Man kann sagen ich bin wieder in Normalform und ich hoffe sehr, dass ich den Januar einigermassen ok ueberstehe - es wartet ein RIESEN Berg an Aufsaetzen, Hausarbeiten, … der abgearbeitet werden muss.
Die 2 Wochen waren voll von wunderschoenen Landschaften, interessanten und schoene Begegnungen (aber teilweise auch nicht schoene…), vielen zu bewundernde alten Steinen ;-), Stille (besonders in Wadi Rum, frischer Luft (in Beirut rar), Sonnenschein (besonders in Jordanien), Kaelte (besonders in Aleppo!!! brrr….), Abenteuern (fragt besser nicht weiters, was zaehlt ist: Wir sind wieder wohlbehalten hier und es waren tolle 2 Wochen) …
Alles in allem: Syrien und Jordanien "live" erlebt! Ich muss allerdings eingestehen, dass ich eine gegenteilige Erfahrung mache wie anscheinend die meisten anderen Touristen oder allgemein Auslaendern hier bzw. allgemein in Auslandsaufenthalten: Ich traue mir nicht mehr zu die Welt- oder Laendersituationen oder Zusammenhaenge beschreiben/ begruenden zu koennen als davor, sondern sogar eher weniger. Als ich von Zambia zurueckkam lautete meine Zusammenfassung von dem was ich erlebte und lernte: Ich weiss, dass ich nichts weiss. Und bisher kann ich das nur noch einmal bestaetigen. Ich stelle mir das menschliche Denksystem manchmal wie ein aus vielen verschiedenen Schubladen bestehendes System vor. Die eigene kleine Welt (Eltern, Umgebung, Kultur, Religion, Mitmenschen,…) labeln die Schubladen, weshalb es passiert, dass man Eindruecke im Ausland in bestimmte Schubladen sortiert, diese Eindruecke da aber gar nicht so unbedingt richtig am Platz sind. Oder auch beim Suchen von Begruendungen fuer Eindruecke, Begebenheiten, Fakten, Zusammenhaengen, ... im Ausland zieht man nach dem gewohnten Raster Schubladen, was allerdings dabei herauskommt ist mit Vorsicht zu geniessen, da in einem anderen Land, in einer anderen Kultur,- ja man kann sogar sagen- schon schlicht in einer anderen Familie die Schlubladen andere Labels haben und auch die Art sie zusammenspielen zu lassen ist eine andere. Es gibt nicht nur die eine eigene stringente Logik auf dieser Welt und wenn man sich in fremde Logik "hakt" (wie in ein fremdes Computersystem... wisst ihr was ich meine?) muss man vorsichtig sein.
Als wir im Beduinenzelt im Wadi Rum (in der Wueste Jordaniens) mit anderen Touristen sassen, wurde so ziemlich schnell ueber Situationen und Zusammenhaenge in und unter Laendern geredet, so als ob man viel Ahnung haette, bloss weil man verschiedene Stempel im Reisepass hat, sich in der Geschichte auskennt und die Zeitung liest. "Scheinwissen" koennte man es meines Erachtens vielleicht nennen. Also: Immer wenn ihr meine Rundbriefe oder meinen Blog lest, behaltet im Kopf: Hier handelt es sich auch nur um "Scheinwissen" und um subjektive Wahrnehmung. :-)
Ich hoffe, ihr koennt bald mehr ueber unseren "Chrismastrip" lesen und sehen!
Ein friedvolles, gesegnetes neues Jahr!
Eure Uli